Weißweine landen fast nie in einem bauchigen Gefäß, unabhängig von ihrem Alter. Doch stimmt das? Oder entgeht Weingenießern hier ein echtes Geschmacks-Erlebnis?
Experten auf diesem Gebiet, geben Entwarnung. Ja, es ist richtig, dass Weißweine seltener dekantiert werden als ihre roten Pendants. Aber zu behaupten, es geschehe nie, ist falsch.
Tatsächlich gibt es Fälle, in denen Weißweine sogar dekantiert werden müssen.
Doch warum ist der Vorgang bei weißen Gewächsen so viel seltener? Es gibt pragmatische Gründe dafür.
Die Gründe für die Zurückhaltung
Ein Hauptgrund liegt in der Natur des Weines selbst. Weißweine haben so gut wie nie ein Depot.
Bei Rotweinen hingegen sammelt sich mit der Reife oft ein Bodensatz aus Farbstoffen und Gerbstoffen an, den man durch vorsichtiges Dekantieren vom klaren Wein trennen möchte.
Ein weiterer Faktor ist die Trinkreife. Die meisten Weißweine werden in der Regel jung getrunken.
In diesen Fällen ist das Umgießen schlicht überflüssig, da sich die Primäraromen bereits voll entfaltet haben.
Doch damit ist das Thema keineswegs beendet. Besonders bei erstklassigen Weißweinen lohnt es sich, eine Karaffe zur Hand zu nehmen.
Wann das Umgießen für Aha-Momente sorgt
Der Fachmann empfiehlt, bei jugendlichen Grand Cru oder Premier Cru Gewächsen aus dem Burgund massiv an Komplexität, wenn man sie karaffiert.
Der Sauerstoffkontakt hilft den Aromen, sich zu entfalten, die zuvor durch Verschluss oder Jugendlichkeit gehemmt waren.
Auch kräftige Chardonnays aus der Neuen Welt profitieren enorm von der Luftzufuhr.
Wer einen großen Riesling aus Deutschland, Österreich oder dem Elsass genießen will, dem sei das Umgießen ebenfalls wärmstens empfohlen.
Besonders jüngere Jahrgänge dieser edlen Rebsorte entfalten dank des Sauerstoffs ihre volle Aromenvielfalt.
Es gibt jedoch eine wichtige Ausnahme von dieser Regel.
Fingerspitzengefühl bei reifen Weinen
Bei älteren Weißweinen ist erhöhte Vorsicht geboten.
Zu viel Luft kann hier gegenteilige Effekte haben. Der Wein kann innerhalb kurzer Zeit in sich zusammenfallen und ungenießbar werden.
Hier ist die Balance entscheidend: Der Wein braucht vielleicht etwas Luft, aber nicht zu viel.
In diesem Fall empfiehlt es sich, den Wein lieber im Glas atmen zu lassen, anstatt ihn in eine Karaffe umzufüllen.