Charakterköpfe im Glas: Côtes du Rhône Matinee Hamburg

Der Branchenverband InterRhône hatte Medienschaffende, Weinjournalisten und die Blogosphäre zu einer ganz besonderen Mittagspause eingeladen.

In dem lichtdurchfluteten, stilvollen Ambiente ging es abseits klassischer, oft steifer Degustationen sehr entspannt, nahbar und interaktiv zu.

An sorgsam kuratierten Themenstationen konnten die Medien-Schaffenden die Bandbreite der Region erkunden. Ein echtes Privileg war dabei die Anwesenheit von Valentin Bordala, dem Repräsentanten von InterRhône.

Im direkten, unkomplizierten Austausch gab er exklusive Einblicke in die aktuellen Trends, das Terroir und die Geschichten hinter den Flaschen.

Besonders spannend war für mich der Fokus auf die weißen Rebsorten, die oft noch im Schatten der mächtigen Rotweine stehen, aber mit enormer Frische überraschten. Hier sind meine ganz persönlichen Eindrücke des Tages.

Entdeckung der Leichtigkeit: Facettenreiche Weißweine

„À la Rêverie“ 2025 (Bio) – Château de Montfrin

Schon der Name lädt zum Träumen ein, und der Wein hält dieses Versprechen.

In der Nase zeigen sich feine, florale Noten, gepaart mit einer wunderbaren Leichtigkeit.

Am Gaumen präsentiert er sich frisch, unaufgeregt und doch elegant – ein wunderbarer, biologisch erzeugter Einstieg in den Tag.

„La Ponce“ 2025 – Domaine des Escaravailles

Hier spürt man die Handschrift eines traditionsreichen Weinguts. „La Ponce“ bringt eine tolle Struktur mit. Er balanciert geschickt zwischen reifer gelber Frucht und einer feinen, fast salzigen Mineralität im Abgang.

Ein Wein mit Grip, der wunderbar zeigt, wie viel Charakter die weißen Rebsorten der Rhône entwickeln können.

„Confidence“ 2025 – Domaine Fond Croze

Dieser Wein fühlt sich an wie ein gut gehütetes Geheimnis, das man gerne teilt. Er verzaubert mit einer feinen Würze und Noten von reifem Pfirsich.

Am Gaumen ist er wunderbar schmelzig, behält aber durch eine gut eingebundene Säure seine lebendige Frische. Ein sehr harmonischer, zugänglicher Typ.

„Belleruche“ 2025 – M. Chapoutier

Chapoutier ist eine feste Größe, und der „Belleruche“ enttäuscht auch in diesem Jahrgang nicht.

Er ist präzise, klar und bringt eine klassische Aromatik von weißen Blüten und Aprikose mit. Ein herrlich balancierter Allrounder, der einfach Spaß macht.

„1922“ vom Jahrgang 2025 – Rocca Maura

Eine echte Überraschung im Glas an den Stationen. Dieser Wein bringt eine faszinierende Tiefe mit, die vermutlich auf das Alter der Rebstöcke oder eine sehr feine Selektion anspielt. Er zeigt sich etwas kraftvoller, mit einer schönen Dichte und einem langanhaltenden, aromatischen Finale.

„L’essentiel est invisible pour les yeux“ 2024 – Château Font Barrièle

Frei nach Saint-Exupéry: Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar – aber für den Gaumen umso erlebbarer. Als 2024er hatte dieser Wein bereits etwas Zeit zum Atmen.

Er besticht durch eine reife Komplexität, dezente Kräuternoten und eine wunderbare Tiefe, die sich im Glas toll weiterentwickelt.

Ökotourismus und Nachhaltigkeit: Natur im Einklang

Château des Coccinelles 2025

Der Name (Marienkäfer) ist Programm: Hier wird Biodiversität spürbar gelebt. Der Wein präsentiert sich ungemein lebendig, puristisch und sauber ausgebaut. Er transportiert die pure Frucht und das Gefühl eines intakten, naturnahen Weinbergs direkt ins Glas – authentischer geht es kaum.

Domaine de la Mordorée 2025

Die Domaine ist bekannt für ihre Vorreiterrolle im biodynamischen Weinbau. Der 2025er Jahrgang zeigt eine beeindruckende Vitalität und Tiefe.

Ein Wein, der handwerkliche Präzision mit großem Respekt vor der Natur verbindet und mit einer feinen Mineralität lange nachhallt.

Valentin Bordala, Repräsentant vom Branchenverband InterRhône.

Terroir und Tiefe: Die Rotweine

Valréas 2025 – Domaine du Séminaire

Ein wunderbarer Vertreter des nördlicheren Teils der südlichen Rhône. Durch die etwas kühleren Lagen in Valréas bringt dieser Rotwein trotz seiner jugendlichen Kraft eine herrlich knackige Kirschfrucht und eine feine Pfeffernote mit. Er wirkt erfrischend unbeschwert und enorm trinkig.

Domaine des Carabiniers 2021

Zum Abschluss ein gereifterer Roter, der zeigt, was Zeit aus dem Terroir macht. Vollständig biodynamisch erzeugt, präsentiert sich der 2021er mit einer tiefen, dunklen Beerenfrucht, Noten von Garrigue-Kräutern und samtigen Tanninen.

Ein komplexer, charakterstarker Wein, der die Wärme des Südens perfekt einfängt.

Kulinarische Impulse und mein Fazit

Ein Wein entfaltet seine wahre Größe erst in der perfekten Begleitung. Unter diesem Credo stand auch das kulinarische Konzept in der LUX Location.

Zu den verschiedenen Rebsorten und Cuvées wurde ein raffiniertes, anspruchsvolles Fingerfood serviert.

Die feinen Nuancen der Gerichte – von maritim-frischen Akzenten bis zu würzig-mediterranen Häppchen – waren präzise auf die Aromenprofile abgestimmt und lieferten fantastische, neue Impulse für gelungenes Foodpairing im Alltag.

Mein Fazit des Tages: Die Rhône hat in Hamburg ihr modernstes und zugleich authentischstes Gesicht gezeigt.

Abseits von schweren, alkoholbeladenen Klischees konnte ich Weine erleben, die durch Frische, Herkunft und handwerkliche Ehrlichkeit überzeugen.

Es sind Weine von Menschen für Menschen – und genau das machte diese Mittagspause so inspirierend.

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