Die Veranstaltung wächst trotz Herausforderungen im Bio-Weinmarkt weiter. Hier das aktuelle Interview mit Jeanne Fabre.
Frage: Mme Jeanne Fabre, Sie beobachten den Bio-Wein-Sektor seit Jahren. Welche Hauptveränderungen und Herausforderungen stehen Bio-Weinproduzenten bevor, insbesondere bei internationaler Konkurrenz und Marketingpositionierung?
Antwort: Es gibt zwei große Herausforderungen, die nicht nur Bio-Produzenten betreffen. Erstens sinkt der Konsum bei jüngeren Generationen – Menschen trinken weniger Wein, kaufen aber die „Geschichte“ dazu. Bio-Produzenten haben hier Vorteile durch Transparenz: Sie erklären offen Anbau, Kellern und den Schutz von Umwelt sowie Gesundheit (bei moderatem Alkoholkonsum). Storytelling muss besser werden, da Französisch strenge Werbebeschränkungen hat und andere Länder kommunizieren besser. Zweitens der Klimawandel: Starke Dürren (z. B. vier Jahre bei Narbonne-Carcassonne) mindern Erträge, Produktion und Geschmack. Bio-Betriebe beobachten genau, investieren in Forschung – Sudvinbio fördert Innovationen in Weinberg und Keller, statt passiv zu leiden.
Transparenz bei Labels
Frage: Angesichts zunehmender Nachhaltigkeitslabels und Greenwashing-Risiken: Wie sorgt Millésime Bio für zuverlässige, transparente Infos an Verbraucher und Profis?
Antwort: Die Messe zeigt nur 100% zertifizierten Bio-Wein mit zufälligen, unabhängigen Kontrollen. Das EU-Bio-Label ist am bekanntesten und vertrauenswürdigsten (per Studie vor zwei Jahren). Andere Labels (pestizidfrei, low-carbon, vegan) ergänzen es, ohne zu konkurrieren – Sudvinbio erklärt das via Website „Le Vin Bio“ und Events wie „La Fête du Vin Bio“ in Montpellier/Toulouse. Ziel: Händler und Restaurants als Botschafter gewinnen.
Internationale Zusammenarbeit
Frage: Millésime Bio bringt Winzer weltweit zusammen. Wie fördert die Messe Kooperationen zwischen französischen und internationalen Produzenten, besonders beim Know-how- und Nachhaltigkeitsaustausch?
Millésime Bio 2026 ist die führende internationale Messe für Bio-Weine und alkoholische Getränke in Montpellier, Frankreich. Sie findet vom 26. bis 28. Januar 2026 statt und wird von Jeanne Fabre geleitet, der Präsidentin des Millésime-BIO-Komitees bei SudVinBio.
Antwort: Die Messe bietet beste Treffpunkte: Bewusste Mischung – nach Regionen gruppiert, aber „nicht-geografische Nachbarn“ für Inspiration (Anbau, Keller). Masterclasses/Konferenzen teilen Expertise, z. B. Klimawandel-Erfahrungen aus Spanien/Portugal. Das Team vermittelt vorab Kontakte, bietet Service jenseits der Messe.
Besucher treffen Messe-Winzer direkt im Weinberg/Keller, nicht als touristische Hotspots. Für Fernreisende (Asien/USA) schafft das echte Bindung und zieht als Zusatzservice.
Zukunft der Messe
Frage: Als Präsidentin der Messe: Welche großen Entwicklungen sehen Sie für die Messe voraus – neue Formate, mehr Verbraucherzugang oder Digitalisierung?
Antwort: Die Covid-Digitalisierung funktionierte, ersetzte aber nicht Verkostungen und echte Kontakte – daher kein Fokus darauf. Neue Formate passen sich Trends/Produzentenwünschen an für effiziente Deals. Standort Languedoc bleibt (bessere Erreichbarkeit), international B2B Messe wird priorisiert. Verbraucher-Events gibt es separat, um Fachmesse pur zu halten.