WANDERUNGEN ZUM WEIN: JEANET G. BRUINING

Bruining_07Ein sonniger Tag in Frankfurt am Main. Ich bin mit Jeanet G. Bruining zum Gespräch verabredet. Ich habe ein Café in Bahnhofsnähe vorgeschlagen. Doch schnell wird umdisponiert. Wein-Enthusiasten treffen sich doch besser bei einem guten Tropfen. Und die gebürtige Niederländerin hat einiges zu erzählen. Über ihr Jubiläum: 25 Jahre Weinwanderungen.Bruining_03Kaleidoskop aus einem Vierteljahrhundert www.weinwanderungen.org

Zu Tisch bei incantina inmitten des mächtigen Bankenviertels. Ein unaufgeregter, netter Italiener aus der Emilia Romagna. Im Glas ein frischer Lambrusco, der uns beiden mundet. Beim leichten Lunch kommt die Sprache rasch auf die Vorlieben von Jeanet Bruining, die übrigens in der Nähe des Lokals ihr Zuhause hat. Da wäre erst einmal die Liebe zu Südtirol mit dem renommierten Winzer Alois Lageder, dessen Ansitz Löwengang in Margreid in diesem Jubiläumsjahr Ziel einer Reise sein wird.Und selbstverständlich sind die deutschen Weinbaugebiete eine Herzensangelegenheit der Niederländerin, die in ihrer beruflichen Laufbahn auch für die kulturelle Zusammenarbeit ihres Heimatlandes auf europäischer Ebene tätig war. Schliesslich fing alles 1991 in der Pfalz mit einer organisierten Tour an.
Bruining_08 Schrieb das Grußwort zum Jubiläum: Südtirols Winzerlegende Alois Lageder. Foto: Tenuta Lageder
Rasch wird bei der vinophilen tour d‘horizon klar, dass Jeanet Bruining bei ihren Reiseangeboten nichts mit stocksteifen Degustationen im Sinn hat: „Wir wollen immer von neuem probieren, wie der Wein wirkt, mit der Nase erspüren. Und ein Gefühl dafür entwickeln, welches Essen, welche Stimmung, welche Person zu just diesem Wein, den wir im Glas haben, passen. Dieses intensive Verkosten hat sich für die Teilnehmer sehr bewährt.“ Um Standard-Proben zu vermeiden, gestaltet die Wahl-Frankfurterin ihre Tastings individuellen Wünschen entsprechend: „Als ich einmal nach 3 Muskatellern und 3 Spätburgundern fragte, erhielt ich die lapidare Antwort: ischt das alles? So lernten wir einen unvergesslichen Muskateller TBA 1986 kennen.
Bruining_05Einblick in das aktuelle Wander-Programm 2015: Natürlich gehören deutsche Weinanbaugebiete dazu.
Genuss beschränkt sich für Jeanet Bruining nicht nur auf den Rebensaft. Auch liegt ihr Slow food am Herzen, für deren Veranstaltungen sie gerne die Werbetrommel rührt. Wie alles mit dem Wein anfing? „Ab und an ein paar Tage raus zum Wandern, eine gute Abwechslung, damals in meiner Zeit im Kultusministerium in Den Haag. Erst entlang des Rheins, später in der Pfalz. Da packte mich die Freude beim Auskundschaften nach Weinen und Winzern. So lernte ich diese wunderbare Wanderregion mit seinen Hütten, geselligen Menschen, unkomplizierten Gastbetrieben und vielen Kellern mit Weinen höchster Qualität kennen.“
Bruining_04Impression von einer Gruppen-Tour. Foto: Dieter Willich.
Ein Blick zurück. Wie sah das Programm vor zehn Jahren aus? Neben den „Klassikern“ Pfalz, Franken und Südtirol ging die Reise zum Bodensee und in die Wachau und nach Wien. Ganz wichtig sind neben der Zielregion natürlich die Herbergen. Auszug aus dem Programmheft 2005: „Wir waren in Brixen zu unserer ersten Wanderung in Südtirol aufgebrochen, um uns alte Felsbilder an Berghängen und Fresken in kleinen Dorfkirchen anzusehen sowie auf alten Bergpfaden den Spuren Oswald von Wolkensteins zu folgen…Aber was uns an diesem Ort am meisten gefangen nahm, war der Gasthof Bad Dreikirchen. Der Ort, wo man sein geplantes Buch schreiben will oder nur in die Landschaft hinab schauen, und die Gastlichkeit, das Ambiente genießen möchte.“
Bruining_06Auch zum Rödelseer Tor im fränkischen Iphofen führte eine der Weintouren. Foto: Dieter Willich.
Übrigens ist Jeanet  Bruining immer bemüht, faire Preise für ihre Weinwanderungen zu kalkulieren, nicht nur, weil die als preisbewusst geltenden niederländischen Gäste dabei sind: „Aber es fällt mir in letzter Zeit immer schwerer, in bestimmten Regionen – etwa Südtirol – 3-Sterne-Hotels zu vernünftigen Konditionen zu buchen.“ Noch ein kurzer Blick auf das aktuelle Programm-Angebot im 25. Jahr: neben den erwähnten Wander-Destinationen Südtirol und Pfalz gehören das Elsass mit der „route des vins“ und „Franken im Doppelpack“ mit Genußtouren in Bier-und Wein-Franken dazu. Und zwei Schmankerl hat die Niederländerin noch zusätzlich auf der Weinkarte. So wird es folgende außergewöhnliche Jubiläumsproben geben: „25 Jahrgänge Deutschland“ und „20 Jahrgänge Südtirol“ mit herausragenden Weinen.
Fotos – Repro- Text: Klaus Feldkeller
DER AUTOR HAT TEXT UND FOTOS OHNE FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG DRITTER ERSTELLT.

 

 

 

 

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