MASTERCLASS GIGONDAS FÜR SPÜRNASEN

Zu einer Masterclass „Le nez du Gigondas“ hatte die Appellation Gigondas in die die Bundeshauptstadt geladen. Hier begaben sich die Spürnasen  in der französischen Botschaft akribisch auf die Suche nach den spezifischenen Düften (Foto) und Aromen der Wein-Region an der südlichen Rhône:

Léa Desportes vom Verlagshaus Jean Lenoir hatte zum „Gigondas Experience“ eine Aromen-Box mitgebracht. Mittels kleiner Aromen-Flacons mit unterschiedlichen Düften, die auch im Gigondas-Wein vorkommen, konnten die Masterclass-Schüler ihre Sensorik trainieren. Denn Weintrinken als genussvoller Prozess ist vor allem von einem geschulten Riechorgan abhängig.
Hier geht’s lang zur Masterclass in der französischen Botschaft in Berlin.
So ist etwa der Rebensaft im Mund mit verschnupfter Nase ein aussichtsloses Genuss-Unterfangen. Nach dem Geruchs-Training ging es dann zur Tischpräsentation der angereisten Gigondas-Winzer. Die Region befindet sich im Département Vaucluse im Südosten des Rhône-Tals. Mit nur 36 Hektoliter pro Hektar hat Gigondas in Frankreich die geringste vorgeschriebene Rebenausbeute, was der Qualität von Grenache, Syrah und Mourvèdre zu Gute kommt.
Louis Barruol (Präsident der Gigondas-Winzer-Vereinigung) und Léa Desportes vom Verlagshaus Lenez.
So baut Winzer Benoît Baudry mit dem 2015er Jucunditas (Lebensfreude) auch auf das Reben-Trio: Auf einer Höhe von 300-400 Meter wachsen gut reifende Reben. Mit 12.000 Flaschen ist die Domaine de Cabasse auch in Deutschland im Handel vertreten. Auf die Regen Grenache und Syrah vertraut Anthony Taylor von der Maison Gabriel Meffre. Der Domaine de Longue Toque 2015 spiegelt das Terroir aus Kalksteintrümmer präzise wider. Ebenfalls auf Kalkstein hat Bertrand Stehelin von der gleichnamigen Domaine seine Rebstöcke gesetzt. Mit 12 Monaten im Fass sind seine 2015er sowie 2014er gut gereift und schon ein Trinkvergnügen.
Ein Trio der in Berlin vorgestellten Gigondas-Weine.
Auch der Mas de Restanques (2015) aus Gigondas ist ein gelungener Vertreter der Assemblage von Grenache und Syrah. Biologisch arbeitet die Domaine Saint Damaien gleichfalls mit den letztgenannten Sorten. Der 2015er La Louise spiegelt den Charakter des roten Tonbodens wider, ebenso der 2015er Les Souteyrades, dessen Reben auf grauem Ton wuchsen. Den hohen Stellenwert des französischen Wein-Exports etwa aus der Region Gigondas nach Deutschland unterstrich Botschafterin Anne-Marie Descôtes in ihrer Begrüßung der Masterclass-Besucher in Berlin. Dominique Ay, der Besitzer der Domaine Raspail-Ay, keltert einen noblen Gigondas: kräftig und breitschultrig. Das Durchschnittsalter der Reben beträgt stattliche 45 Jahre. Bei der Vinifikation bleibt der Wein weitgehend sich selbst überlassen. Daher gibt es Spontangärungen in den alten Beton-Bottichen, eine lange Maischegärung und keinen Ausbau in Barriques, sondern in alten französischen „Foudres“.
Informationsaustausch bei einem Glas Gigondas-Wein.
INFO-BOX: Gigondas ist ein als Cru (Spitzenappellation) klassifizierter Bereich im südlichen Abschnitt der Rhône. Lange Zeit wurde der Wein als „Châteauneuf-du-Pape des pauvres“ (Châteauneuf-du-Pape der armen Leute) bezeichnet. Er ist früher trinkreif als der „große Bruder“, zählt aber auch zu den großen französischen Rotweinen. Die Weinberge umfassen 2.750 Hektar Rebfläche, von denen etwa 1.200 bestockt sind. Diese befinden sich ausschließlich in der Gemeinde Gigondas am Fuße der Bergkette Dentelles de Montmirail im Département Vaucluse. Der Name leitet sich vom lateinischen Jucunditas (Freude) ab. Dies war ein von den Römern errichtetes Städtchen, das wahrscheinlich ein Erholungsort war. Im 19. Jahrhundert war das Gebiet stark von der Reblaus betroffen, erst ab Anfang der 1960er-Jahre wurden hier wieder Weingärten in Hanglagen oder großflächigen Terrassen angelegt. Der auf Grund des Bodens (Schwemmland aus rotem, geröllhaltigem Ton) und des warmen Klimas sehr kräftige, alkoholstarke und fruchtbetonte Rotwein macht 95% der Produktion aus. 
PRODUZENTEN: Gigondas-Weine werden aus Grenache Noir (maximal 80%), Syrah und/oder Mourvèdre (zumindest 15%) und allen anderen in der Côtes du Rhône zugelassenen roten Rebsorten außer der Carignan (max. 10%) gekeltert. Bekannte Produzenten sind Château de Montmirail, Château du Trignon, Château Raspail, Château Redortier, Château de Saint-Cosme, Clos du Joncuas, Domaine La Bouissière, Domaine Brusset, Domaine de Font-Sane, Domaine des Travers, Domaine du Cayron, Domaine du Grand Montmirail, Domaine du Pesquier, Domaine Raspail-Ay.
TEXT – FOTOS: KLAUS FELDKELLER 
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