GRÜNFRÄNKISCH VOM „ALTEN VOM SONNENBERG“

Einen Schatz ausgegraben hat der Weinhof Scheu mit dem Grünfränkisch alias Philipp Cuntz. Der Name des Opas stand lange Pate für eine Rebsorte ohne Namen. Jetzt hat sie einen – Grünfränkisch mit dem ersten Jahrgang Philipp Cuntz:

Großvater Philipp Cuntz, „der Alte vom Sonnenberg“, gilt als Pionier der Rebveredlung und hatte sich mit dem ersten Weinlehrpfad Deutschlands in der Weinszene einen Namen gemacht. Eines Tages entdeckte er in seinem Weinberg eine Rebe, die nicht zu den umstehenden Weißburgunderreben passte. Von Neugier gepackt vermehrte er diese Rebsorte. Der daraus entstandene Wein war und ist bis heute mit keinem der regional angebauten Weine vergleichbar. Klaus Scheu hat die Erforschung der Rebsorte weiter vorangetrieben. Wissenschaftliche Untersuchungen hatten ergeben, dass die Rebsorte ampelographisch nicht erfasst war und auch keiner bekannten Rebfamilie zugeordnet werden konnte. Seit 1999 darf die Rebe vom Weinhof Scheu im Versuchsanbau vinifiziert werden.
2001 brachten die Pfälzer Winzer den ersten Wein unter dem Namen Philipp Cuntz in die Flasche. Im Sommer 2017 kam dann der entscheidende Hinweis. Der auf historische Weinsorten spezialisierte Ampelograph (Rebstockkundler) Andreas Martin und sein Kollege, der Rebveredler Ulrich Martin, entschlüsselten dank alter Dokumente diese Rebe – die bis dato als ausgestorben galt – als Grünfränkisch. Die Wurzeln des Grünfränkischen gehen wohl bis in die Antike zurück. Im Hochmittelalter brachten sie Siedler aus dem Karpatenbecken über Ungarn in Richtung der heutigen Fundorte. Im 16. Jahrhundert wurde die Rebsorte in der Pfalz erstmalig erwähnt.
Der Weinhof Scheu bringt mit dem Jahrgang 2017 nun offiziell den ersten Grünfränkischen alias Philipp Cuntz in den Verkauf. Der Grünfränkische ist geprägt von zarter Säure bei gleichzeitig außergewöhnlicher Aromatik. Die klimatischen Voraussetzungen in der Südpfalz unterstreichen dieses Geschmacks-Spektrum in besonderem Maße. Zwei Generationen nach der Erstentdeckung durch den Großvater freuen sich die Scheu‘, die historische Rebsorte Grünfränkisch im Weingut präsentieren zu können. Diese dem Weißburgunder verwandte, verloren geglaubte Rebsorte wurde auch auf einem von Heiner Sauers Weinbergen wiederentdeckt. Ein Glück, denn nach einer eher dezent fruchtigen Nase kommt ein wunderbar samtiger und voller mit dichten Fruchtaromen von Birne, reifer Kiwi, Passionsfrucht und grünem Apfel zum Vorschein. Doch wie durch ein Wunder entdeckte man in der Südpfalz unverhofft einen ganzen Weinberg davon. Historische Dokumente belegen die hervorragende Qualität des Grünfränkisch, man vermutet sogar, dass sich der Ruhm der ursprünglichen Liebfrauenmilch in dieser Rebsorte begründet. Der Grünfränkisch besitzt sehr feine Citrusaromen, die sich als komplexe Aromatik im Wein wiederfindet. Es entsteht ein einzigartiger, sehr wohlschmeckender, bisher nicht auf dem Markt vertretener Weincharakter.
Foto: – Text: Klaus Feldkeller

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Kommentare sind geschlossen.