„RIESLING AT HIS BEST“: KÜHLING-GILLOT UND BATTENFELDSPANIER

„Weingut des Jahres – Beste Weißweinkollektion“. Nur eine von zahlreichen Auszeichnungen für die Weingüter Kühling-Gillot und BattenfeldSpanier, die zur Jahrespräsentation nach Bodenheim/Rheinhessen geladen haben:

Das Weingut Kühling-Guillot liegt in Bodenheim nahe dem berühmten Roten Hang. Hier liegt der poröse rote Tonschiefer, der sich wie ein Felsblock bei Nackenheim aus der Erde erhebt, um wenige Kilometer südlich bei Nierstein wieder im Untergrund zu verschwinden. Der fast 300 Millionen Jahre alte Urgesteinsstreifen, der hier an die Oberfläche tritt, ermöglicht einzigartige Weine. Die ökologische Bewirtschaftung der Weinberge ist dabei Grundvoraussetzung. Die bei Kühling-Gillot übliche späte Lese, sorgsame Selektion und schließlich die Spontanvergärung im großen Stückfass führen dazu, dass der rote Schiefer in den Weinen schmeckbar wird. Die Weine kommen im jungen Stadium schmeichelnd und charmant daher, offenbaren mit der Zeit dann ihre Herkunft.
Jahrgangspräsentation bei Kühling-Gillot und BattenfeldSpanier in Bodenfeld/Rheinhessen.
Kühling-Gillots Großes Gewächs Ölberg liegt im sogenannten roten Hang und ist dort ihre südlichste Lage. Sie liegt im zentralen Bereich des Roten Hangs in Ost-West-Richtung in exakter Südexposition. Würzige Frucht- und mineralische Steinaromen halten sich beim 2017er bereits die Waage. Charakteristisch ist der Duft nach blühender Sommerwiese, nach Honigmelone und Mandarinenzesten, gelb oder gar leicht rötlich im Spektrum der Aromen, reif und ausladend, ohne überpräsent zu sein. Im Mund cremig und saftig, animierend herb im Spiel reifer Säure, trocken und mit einem Hauch feinsten Nougats im Nachspiel. Opulent wirkt der Wein im Mund, körperreich, dicht gepackt, eher von weicher Säure geprägt, die in animierend herbem Spiel ausklingt, das Gerbstoffe offenbart, spürbare Physis und Substanz besitzt, Opulenz verbreitet, ohne opulent zu sein, weil zarte Würze in mineralischer Ader für den Rahmen sorgt, der alles im Griff hat.
Top-Lagen von BattenfeldSpanier (Am Schwarzen Herrgott) und Kühling-Gillot (Ölberg) im Ausschank.
Am äußersten südlichen Rand Rheinhessens, unmittelbar an der Grenze zur Pfalz, vinifiziert Hans Oliver Spanier Rieslinge der Sonderklasse in den etwa 24 Hektar eigenen Weinbergen. In den Anfängen des Weingutes hat sich Spanier zuerst mit der richtigen Auswahl seiner Lagen und Umbau des Sortenspiegels hin zu mehr Riesling, beschäftigt. Seit 1996 wurde konsequent auf ökologischen Weinbau umgestellt, seit 2010 ist der Betrieb komplett Biodynamisch. Auf 3 Hügeln, von Hohen Sülzen über Mölsheim bis nach Flörsheim Dalsheim hat sich das Weingut inzwischen in besten Lagen etabliert. Ein rigides Qualitätsmanagement sorgt für gesundes Traubengut, der entscheidende Parameter beim Riesling – vom Gutswein bis zur Toplage Frauenberg. Dabei spielt altes Rebmaterial in der richtigen Lage, ökologisch durchdacht bearbeitet, eine große Rolle. An der Spitze, seiner für rheinhessische Verhältnisse sehr überschaubaren Kollektion, hat sich das Hohen Sülzener Kirchenstück mit seinen ausgeprägten Fruchtaromen herauskristallisiert.
Carolin Spanier-Gillot im Gepräch mit Gästen und Kunden bei der Jahrgangspräsentation.
Absoluter Spitzenreiter ist der zu Flörsheim gehörende Frauenberg 2017er mit seiner beispiellosen, kühlen Mineralik, Riesling – markant, herkunftsgeprägt und unverwechelbar. Der entscheidende Grund hierfür ist die Lage: Süd-südost Ausrichtung, leicht parallel zum Hang hin terrassiert, sehr magerer Tonmergel-Kalkschotter-Boden (Terra Fusca). Mit seiner salzigen Feuersteinaromatik ist er ganz sicher eine der ausdruckstärksten Rieslinglagen Deutschlands. Zurück zu Kühling-Gillot. Noch wirkt der Wein extrem jung, unnahbar fast, doch sein Potential scheint immens. Seinen Namen scheint der Wein nicht von ungefähr zu tragen: Ölberg. Hier spürt man eine besondere Viskosität, ein besonders dichtes Fließverhalten und sein alles andere als gewöhnlicher ätherischer Duft erinnert an Duftöle aus vergangenen Zeiten. Faszination Riesling, Faszination Lage.
Der Rothenberg hat seinen Namen vom roten Schiefer im Untergrund, der im Gegensatz zum Kalkstein weich und porös ist.

Die Reben haben es hier vergleichsweise einfach Fuß zu fassen, müssen aber dennoch kämpfen. Im steilsten Teil des Rothenberg, dem Kapellchen, stehen Carolins wurzelechte Rieslingreben. Sie wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gepflanzt, bevor der Gesetzgeber die Nutzung von Unterlagsreben vorschrieb. Die Weine aus dieser extremen Parzelle werden auf dem Etikett als „wurzelecht“ gekennzeichnet. Der Gesteinsboden dort ist stark zerklüftet, die Weinbergsarbeit aufwendig und mühsam. Mit einer Steigung von mehr als 60 Prozent ist der Oelberg eine klassische Steillage, deren Boden poröser und durchlässiger ist als beispielsweise im Pettenthal. Der rote Tonschiefer hat hier die Humusschicht ersetzt und so wirkt die Parzelle wie ein Wärmespeicher, in dem die Trauben stets ungewöhnlich gleichmäßig zu voller physiologischer Reife gelangen.
Ortstermin: Besichtigung der Steillagen von Kühling-Gillot vor Nierstein.
Fotos: – Text: Klaus Feldkeller

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