CHURFRANKEN: IDYLLE UND WEIN-JUWELE AM MAIN

Die Churfranken sind im Mainviereck zwischen Odenwald und Spessart zu Hause. Eine Region, die ihren Ursprung an der historischen Zugehörigkeit zum Kurfürsten in Mainz festmacht und Spätburgunder der Spitzenklasse hervorbringt:

Schlossberg: Klingenberg, Betriebsfläche 1,3 ha, sehr steile Terrassenlage, Buntsandstein-Verwitterungsboden, eine der historisch großen Burgunderlagen Deutschlands. In dieser Lage ist nur Handarbeit möglich. Drei Filetstücke dieses beeindruckenden Bergs wurden im Februar 2004 von Paul und Sebastian Fürst gekauft. Eines davon ist die Parzelle direkt unter der Klingenburg, zwischen den Flügelmauern der Burg geschützt eingebettet. Dabei wurden hunderte Meter Trockenmauern repariert und alles wieder in Topform gebracht. Warum Weinberge in Churfranken am Main terrassenförmig angelegt sind und was eine Häckerwirtschaft ist – das erfährt man auf dem Rotweinwanderweg aus erster Hand.
„Landhotel Adler“ in Bürgstadt, stilvolle Zimmer in historischem Dorfhaus, fein-bodenständiges Restaurant, Wellness mit Burgundermassage.
Die Küche im Landhotel Adler ist fränkisch-bodenständig, aber durchaus mit Raffinesse. Es gilt das Prinzip von Slow-Food: gut, lokal, fair. So kommen die Lebensmittel fast ausschließlich aus der Region. Kalbfleisch beispielsweise vom Metzger aus Bürgstadt, die Fische aus einer Zucht im Spessart. Das Schweinefleisch stammt aus der Rhön und hat ausschließlich Bio-Qualität. Es gibt Hausgemachte auf der Karte. Auch das Gasthaus „zur Krone“ in Großheubach“ ist empfehlenswert. Aber vor den kulinarischen Genüssen stiefeln wir gemütlich über alte Wirtschafts- und Waldwege durch Weinberge und Wälder und erfahren ganz viel Wissenswertes über den Weinbau in Churfranken und wir werfen aus den Weinbergen einen Blick in die Geschichte
Längs durch Churfranken erstreckt sich der 79 km lange Fränkische Rotwein Wanderweg. Er erstreckt sich von der Winzergemeinde Großwallstadt im Norden bis zur ersten Adresse brillanter Spätburgunder, Bürgstadt, im Süden.
Der elegante Spätburgunder ist zweifellos der Star in Churfranken. Der Wein für die besonderen Momente. Aber das ist längst nicht alles. Im Alltag süffeln die Churfranken gern einen einfachen, aber kräftigen Portugieser. Außerdem gibt es exzellente Frühburgunder-Weine oder Spezialitäten wie die roten Rebsorten Regent und Domina. Und natürlich auch noch jede Menge weiße Sorten, die hier auch bestens gedeihen.

Biodynamiker im Bürgstädter „Wengert“: Burkhard Hench.
Auf den Terrassen gibt es den roten Buntsand, dann eine Lehmschicht dazwischen und sehr felsige Klüfte im Untergrund. Und das ist in Bürgstadt ein ganz großer Vorteil gegenüber anderen Weinbaugebieten, dass die Winzer hier Rotwein anpflanzen können, denn Pinot Noir, also der Spätburgunder und auch der Frühburgunder, das sind einfach die Rebsorten, die gern den trockenen warmen Standort bevorzugen, und das findet man hier am Untermain in Churfranken, Das Weingut Hench ist seit dem 16. Jahrhundert im Familienbesitz. Burkhard Hench ist gelernter Winzer. Die ganze Familie hilft mit. Weinlese von Hand, viele Helfer,ein kleines Familienweingut im Terrassenanbau in den Weinlagen Bügstadter Centgrafen und Hundsrück, mit 6,5 Hektar. Die warmen Buntsandsteinböden, die die Sonne hervorragend speichern, bieten ideale Bedingungen für das Wachstum der Reben. Eine Rarität, der Frühburgunder, ein besonderer Abkömmling der Burgunderfamilie, wurde in den 60er Jahren kaum noch angebaut. Dieser hochwertige Wein erfreut sich heute wieder großer Beliebtheit.
Toplagen in Churfranken bringen Top-Spätburgunder hervor.
Hang- und Steilagen profitieren sehr stark vom Kleinklima des Talkessels Miltenberg, welcher von Spessart und Odenwald eingerahmt ist. Terroir: Buntsandstein -Verwitterungsboden mit unterschiedlich hohem Lehmanteil. Teilweise ist der Boden sehr steinig, was günstig für den Rotweinanbau ist. Wo der Sandstein stärker mit fruchtbarem Lehm vermischt ist, werden die Weißweine erzeugt.Hundert Meter über dem Tal führt ein Weinwanderweg entlang. Und immer ist irgendeiner oben, häckselt und unterhält vorbeikommende Wanderer.
Steillagen-Winzer Reinhold Hillerich erklärt die Bedeutung der Trockensteinmauern.
Auch Winzer Reinhold Hillerich, der die Steillagen des Hochbergs liebt. „Hier haben die Winzer seit Jahrhunderten eine unfassbare Leistung vollbracht. Wir haben etwa 300 Kilometer Trockensteinmauern stehen, wenn man sie aneinander reihen würde, und für jeden Quadratmeter braucht man eine halbe Tonne Sandstein“, erklärt er das Kunstwerk, huscht hier und dort durch die Rebzeilen, zeigt wie die Reben aufs Spalier gebunden werden, während sie bei starker Steillage ins Flusstal zu fallen scheinen. Der Buntsandsteinboden gibt dem Wein seinen ureigenen Geschmack, der ganz ohne Maschineneinsatz kultiviert wird. So ist es hier oben friedlich und wie aus der Zeit gefallen geblieben.
Rarität aus Churfranken: Portwein vom Winzer Hillerich.
Die Roten wachsen auf den nur hier vorkommenden Buntsandsteinböden in Steillagen von Jahrhunderte lang gepflegten Weinterrassen über dem Sonnen verwöhnten Mainviereck. Im Jahr 2011 wagte Hillerich den Schritt, einen Klassiker der Weinwelt herzustellen. Portwein  ist einer der geschmacklich vielfältigsten und langlebigsten Weine. Er entwickelt durch den hohen Zucker-und Alkoholgehalt eine unverwechselbare Aromatik und Komplexität. Der hochwertige Ausbau findet in französischen Eichenfässern statt.
Als Befestigung Garant für guten Weinanbau: Die Trockenstein-Mauern.
Ohne menschliches Zutun würde ein Regenguss den Boden samt Rebstöcken ganz einfach in den Main schwemmen. Also hat man fleißig terrassiert: Schon vor Jahrhunderten haben die Winzer tonnenweise roten Sandstein zu Mauern aufgetürmt, alles von Hand und ohne Mörtel. Zwischen den Mauern liegen nun kleine ebene Flächen für die Rebstöcke. Die Mauern speichern Wärme, die sie dann nachts wieder abgeben – perfekt für die Wärme liebenden Rotweintrauben. An manchen Hängen liegen sage und schreibe 100 solche Mauern übereinander – das sind allein in den Weinbergen von Klingenberg etwa 250 Kilometer Trockenmauern.
Wengertschütz“ Erich Becker sorgt dafür, dass Vögel oder gar „Langfinger“ aus dem Weinberg vertrieben und Wanderer mit Rat und Tat begleitet werden.
Durchaus begründet ist der Slogan „Tor zu den Weinterrassen“, denn in Erlenbach beginnen die Buntsandsteinsteillagen. Sehr beliebt bei Wanderern ist die Strecke von Erlenbach nach Klingenberg. Der gut begehbare Weg durch die Weinberge mit den einzigartigen Buntsandsteinterrassen bietet herrliche Ausblicke ins Maintal. Als Ausgangspunkt empfiehlt sich der Parkplatz am Bergschwimmbad in der Mechenharder Straße. Direkt dort findet man auch eine große Info- und Wandertafel mit aktuellen Hinweisen auf Weinveranstaltungen und Häckerwirtschaften. Denn im Anschluss an eine Wanderung lohnt sich der Besuch einer typischen Häckerwirtschaft.
Erste Adresse in Bürgstadt für gute Häckerwirtschaft: Weingut Stich.
Den Augenblick genießen kann man im Anschluss daran mit einen guten Schoppen Wein am besten in einer der Häckerwirtschaften. Sie ähneln den österreichischen Buschenschenken und durften einst nur zu bestimmten Zeiten geöffnet werden. An diese Tradition anknüpfend ist auch die Häckerwirtschaft Höflich nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Häckerwirtschaft ist vergleichbar mit der Besenwirtschaft oder Straußwirtschaft, wie sie in anderen Weinbauregionen genannt wird. Der Begriff Häckerwirtschaft kommt wahrscheinlich von Häcker oder Hacken, weil das früher die einzige Möglichkeit der Bodenbearbeitung hier in den steilen Weinbergen war. Die Winzer waren nur mit ihren Hacken unterwegs, um den Boden vom Bewuchs freizuhalten. Und darum wird das hier Häckerwirtschaften genannt. Der Winzer räumt seine Wohnstube aus oder hat einen separaten Raum, in dem er seine Häckerwirtschaft betreibt.
Fotos: – Text: Klaus Feldkeller
Die Medienreise wurde veranstaltet von Mainland Miltenberg – Churfranken e.V.

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